Marco ist Apotheker und Universitätsassistent am Institut für Pharmazie – Sport ist seine Leidenschaft!

Jeder Sportler kennt das. Der Sommer neigt sich allmählich dem Ende zu, die Tage werden kürzer und kühler und wie jedes Jahr wird es auch heuer wieder viele Menschen erwischen. Die Rede ist von der klassischen Erkältung. Schnupfen, Halsweh, Husten, Fieber sind typische Symptome, die uns den Kampf gegen Viren und Bakterien verdeutlichen und mit Erkältungen unterschiedlichen Schweregrades nun mal einhergehen. Doch was bedeutet das für meinen Körper und mein Training? Bin ich im kranken eigentlich genauso leistungsfähig wie im gesunden Zustand? Und darf ich trotz einer Erkältung körperliches Training überhaupt gefahrlos betreiben oder muss ich pausieren?

Diese Fragen haben durchaus ihre Berechtigung gerade weil die Symptome einer banalen Erkältung die Sportler oft nicht sonderlich beeinträchtigen. Einerseits will niemand gesundheitliche Folgeschäden riskieren, andererseits sind trainingsfreie Tage selbst für ambitionierte Hobbysportler oft mit verlorenen Tagen gleichzusetzen. Wie steht es also um die Frage, die zahlreichen Mythen und unterschiedlichsten Meinungen zum Opfer fällt?

Laut aktuellen Studienergebnissen wird empfohlen auch bei leichten Erkältungserscheinungen (laufende/verstopfte Nase, Halskratzen ohne Fieber und Gliederschmerzen) intensives Training (zB: Maximalkrafttraining, Intervallläufe, lange Dauerläufe) erst nach Abklingen der Symptome wieder fortzusetzen. Moderates Training dürfte bei leichten Erkältungssymptomen laut Expertenmeinungen jedoch weder die Leistungsbereitschaft wesentlich einschränken noch die Dauer oder Schwere der Symptome negativ beeinflussen. Auch dauerhafter schädlicher Einfluss auf den Körper ist nicht zu befürchten. Besteht der Symptomenkomplex hingegen aus Fieber, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen oder geschwollenen Lymphknoten sollte auf alle Fälle pausiert und intensives Training erst nach 2-4 Wochen fortgesetzt werden.

Auch wenn die langfristigen Vorteile von körperlichem Training auf das Immunsystem unbestritten sind, haben Untersuchungen gezeigt, dass in Folge von intensivem körperlichen Training das Immunsystem einen kurzzeitigen Einbruch erfährt. Diese temporäre Beeinträchtigung kann bis zu neun Stunden andauern. Ist das Immunsystem jedoch durch eine Infektion bereits vorbelastet, öffnet eine Schwächung der Abwehrkräfte Krankheitserregern Tür und Tor. Des Weiteren können intensive Belastungen trotz Erkrankung auch schwerwiegende organische Folgen haben. Durch die verstärkte Durchblutung können sich Krankheitserreger leichter im Körper ausbreiten und unter Umständen zu dauerhaften Schäden an Organen führen. Besonders gefürchtet sind hier Herzbeutelentzündungen oder Herzklappenfehlfunktionen.

Allgemein kann gesagt werden, dass bei Symptomen, die sich vorwiegend halsaufwärts zeigen, leichte körperliche Aktivität sogar hilfreich sein kann, da die verbesserte Belüftung der Atemwege ein subjektiv besseres Gefühl verleihen und den Abtransport von Schleim in den Atemwegen fördern kann. Betreffen die Symptome weitere Teile des Körpers wird zu einer Pause geraten und das Training nach dem Abklingen wieder schrittweise aufzubauen.

Und wie steht es eigentlich um Sport während der Einnahme von Medikamenten? Um Erkältungssymptome zu lindern bzw. sie schneller los zu werden wird oft zu Arzneimitteln gegriffen. Diese stellen in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung zur Bekämpfung von Erkältungen dar. Besonders beliebt sind hier Präparate die schmerzstillend, fiebersenkend sowie entzündungshemmend wirken. Gerade diese Arzneimittel üben allerdings aufgrund ihrer Nebenwirkungen bzw. ihrer Verstoffwechselung nicht zu unterschätzende Belastungen auf Niere und Leber aus, welche einerseits während des Sports und andererseits bei Erkrankung ohnehin erhöhten Belastungen ausgesetzt sind. Wird aufgrund von schwereren oder anhaltenden Symptomen ein Arzt aufgesucht, so wird oftmals gern ein Antibiotikum verschrieben. Antibiotika sind nebenbei erwähnt Arzneistoffe, die ganz selektiv ausschließlich Bakterien angreifen und deren Vermehrung hemmen bzw. sie direkt abtöten. Bakterielle Infektionen können somit bekämpft und die Dauer (oft) verkürzt werden. Da Antibiotika ohnehin der Rezeptpflicht unterliegen und ein Arzt zumeist auch erst bei intensiveren Symptomen aufgesucht wird, relativiert sich die Frage nach „Sport während der Einnahme“ ohnehin. Abgesehen davon soll hier nur erwähnt werden, dass manche Antibiotika Sehnen und Knorpel schwächen können weswegen diese besonders anfällig für Verletzungen sein können. Weiters können Antibiotika Dehydrierung fördern und erhöhte Empfindlichkeit für Sonnenstrahlung hervorrufen. Generell wird beobachtet, dass Antibiotika die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können auch wenn die Therapie bereits kürzlich abgeschlossen wurde. Somit wird dringend empfohlen keinen Sport zu treiben.

Letzten Endes gilt es vernünftig zu entscheiden und auf seinen Körper zu hören. Wenn ich erkrankt bin wehrt sich mein Körper merklich gegen Krankheitserreger und sollte nicht noch zusätzlich belastet werden. Sich lieber etwas Ruhe gönnen und den Körper mit ausreichend warmer Flüssigkeit versorgen. Bei Bedarf können Symptome mit Hausmitteln oder rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke gelindert werden, allerdings darf eine Linderung der Symptome nicht automatisch mit einer Wiedergenesung verwechselt werden. Im Zweifelsfall und bei stärkeren oder länger andauernden Beschwerden bitte immer einen Arzt konsultieren.